2 comments on “Revolution der Sozialen Frage

  1. Ich versuche als Fachfremder mal, das Thema besser zu verstehen.

    Möchtest du sagen, dass die Soziale Arbeit eine „gestaltungsorientierte Wissenschaft“ ist (oder sein sollte)? Dass sie also nicht bloß bestehende Phänomene analysiert, dokumentiert, … und prognostiziert, sondern auch zur Gestaltung der Welt genutzt werden kann bzw. sollte?

    Unterstützung fände eine solche These sicher bei Helmut Schmidt, der ganz allgemein der Wissenschaft eine soziale Verantwortung bei der Erkenntnissuche zuspricht, um die Probleme des 21. Jahrhunderts anzugehen. (Schmidt, Helmut (2011): Verantwortung der Forschung im 21. Jahrhundert, URL: http://www.mpg.de/990353/Verantwortung_der_Forschung?page=3). Vergleiche könnte man dann sicher zu den Ingenieurdisziplinen ziehen — oder auch zur Wirtschaftsinformatik, da fühle ich mich dann schon eher zuhause. Das Urgestein Peter Mertens schreibt “seiner” Fachrichtung auch die Aufgabe zu, Vorschläge zu entwickeln, wie gesellschaftlich besonders wertvolle Anwendungssysteme aussehen müssen. Sie können beispielsweise dazu dienen, ältere Menschen bei ihren Alltagshandlungen zu unterstützen oder durch effizientere Logistik die Umweltbelastung zu senken (Mertens, Peter (2011): Zur gesellschaftlichen Bedeutung der Wirtschaftsinformatik. In: Wirtschaftsinformatik und Management, 3. Jg., Nr. 1, S. 32-38.). Vielleicht lohnt sich ein Blick in diese Richtung (Schlagwort Gestaltungsorientierung in der Wissenschaft).

    Geht es dir bei dem Begriff „Revolution“ also darum, das Selbstverständnis der wissenschaftlichen Disziplin „Soziale Arbeit“ anders zu fassen?

    Du nutzt ferner den Begriff „wissenschaftsübergreifende Wissenschaft“. Vielleicht helfen dir dabei zum Schärfen deiner Aussagen dabei die Begriffe Interdisziplinarität oder Transdisziplinarität — je nachdem, was genau du unter „wissenschaftsübergreifender Wissenschaft“ verstehst.

    • Die Ansätze von Mertens gefallen mir sehr gut. Ich würde zu seinen Ausführungen sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass sich nicht nur die Wissenschaft der sozialen Arbeit, sondern sämtliche Wissenschaften nicht nur den eigenen Theorieansätzen widmen sollten, sondern auch in die Partner Disziplienen schauen müssen/sollten.
      Gerade die öffentliche Diskussion zwischen der Sozialpädagogik und der Sozialen Arbeit sorgen m.E. dazu, dass sich beide Wissenschaften gegeneinander entwickeln und jeweils die Theorieansätze der Anderen verurteilen. Ein Trennen und Splitten von Wissenschaften, die sich eigentlich im gleichen Feld bewegen kann meiner Meinung nach nur die Entwicklung und das Wissen in der jeweiligen Disziplin schmälern.

      Einerseits geht es mir bei dem Begriff „Revolution“ wirklich um das Selbstverständnis der Disziplin anders zu erfassen. Es geht auch um eine Umstrukturierung, ein „wachrütteln“, um die einzelnen Disziplinene anzuregen und zusammenzuführern.
      Um die Sozialen Fragen in der Gesellschaft zu lösen bedarf es m.E. auch Gemeinschaft, die nicht durch entstehende Differenzen der einzelnen Disziplinen, zu lösen ist.
      Andereseits bin ich der Meinung, dass soziale Probleme in unsere Gesellschaft eine „Revolution“ bedürfen, die Institutionen in ihrer ausführenden Macht und/oder existens bedrohen.

      Am besten trifft es wohl der Begriff Integrationswissenschaft – das Zusammensetzen unterschiedlichen Teilbereichen anderer zumeist „klassischer“ Wissenschaften.

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